Neue braune Welle: Die Jugend im Visier der Rechtsextremen


Am 04.11. 2011 werden in einem Vorort von Eisenach Uwe B. und Uwe M. tot in einem ausgebrannten Caravan aufgefunden. Kurz darauf brennt es auch in Zwickau. Die Behausung von Beate Z. und der beiden mutmaßlichen Bankräuber geht in Flammen auf. Detail für Detail wird es immer eindeutiger. Diese 3 bilden das Herzstück einer rechten Terrorzelle – der «Nationalsozialistischer Untergrund» (NSU). 13 Jahrelang haben sie quer durch die Bundesrepublik Deutschland schwere Straftaten begangen – und keiner hat es wahrgenommen.
Wer hingucken wollte wusste, um die Bedrohung, denn die Zahl der Neonazis in Bundesrepublik ist laut Bundesverfassungsschutz in den vergangenen Jahren massiv gestiegen, und “rechte” Gewalttaten haben deutlich zugenommen. Deshalb beschäftigt sich die Doku mit den Entwicklungen innerhalb der rechtsextremen Szene und durchleuchtet das Zusammenwirken von NPD und Kameradschaften.

Am Paradebeispiel zweier Bundesländer – Bayern und Sachsen-Anhalt – wird klar, wie sich der Umgang mit Rechtsextremen in Ost und West unterscheidet und welche Konsequenzen das mit sich bringt. Denn während im Osten die Problematik seit Jahren bekannt ist, glaubte sich der Westen lange resistent zu sein. Nahezu vollständig unbemerkt von der breiten Allgemeinheit hat sich in vielen Orten in Bayern eine aktive Neonaziszene gefestigt, deren Treiben die Gemeinden oftmals hilflos gegenüber stehen.

Rechtsextremismus mit Eventcharakter
Die Handlungsweise ist oft einheitlich. Mit einem vielfältigen Freizeit- und Musikangebot locken die Neonazis ihren Sprössling. “Rechtsextremismus mit Eventcharakter” nennt das Thorsten Hahnel, ein langjähriger Beobachter der Neonazi-Szene in Sachsen-Anhalt. Dieses Phänomen sei gerade in Westdeutschland verkannt worden, bekräftigt Matthias Windisch, der Leiter der bayerischen Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus. Die Aktivitäten der Neonazis in Bayern seien ein umfangreiches Problem: “Das sind keine tumben Neonazis die sich besaufen, sondern Menschen, die sich sehr schnell den neuen Gegebenheiten angleichen, chamäleonartig, um vor Ort möglichst viele Leute ansprechen zu können.”

Nach außen gibt sich die rechtsextremistische NPD zunehmend “bürgerlich”, die Kandidaten biedern sich an als die netten Nachbarn. Eine Strategie, die bei Kommunalwahlen zum Teil aufgegangen ist. So konnte die verfassungsfeindliche Partei beispielsweise in Sachsen-Anhalt 29 Sitze in kommunalen Gremien erlangen.

Die Autoren Beate Frenkel und Winand Wernicke stellen darüber hinaus die Arbeit von staatlich geförderten Initiativen gegen Rechtsextremismus in Ost und West vor. Hier zeigt sich, wie Erfolge zu erzielen sind und woran es noch immer fehlt. In einem sind sich alle Fachleute einig: Ohne eine intensive Aufklärung an Schulen sowie unterstützende Angebote für Lehrer und Eltern, die frühzeitig helfen, den jugendlichen Nachwuchs aus der rechten Szene zurückzuholen, wird es schwer im Kampf gegen Rechts.

 

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