Hotel Mama – Wenn die Kinder nicht flügge werden


Die Italiener sind darin Weltmeister. Doch das Phänomen erfasst immer mehr westliche Länder. Hotel Mama ist im Trend. Mehr als 30 Prozent der 25- bis 34jährigen leben bei den Eltern. Tendenz steigend. Schuld daran sind nicht nur überbesorgte Eltern oder faule Sprösslinge, sondern auch die Wohnungsknappheit und der ausgetrocknete Arbeitsmarkt. Der Film zeigt Eltern und Kinder in England, Italien und Kanada und geht der Frage nach, wie der Schubs aus dem Nest am besten gelingen könnte. In Italien heissen die Nesthocker Bamboccioni, grosse Babys. In England Yuckies, was so viel heisst wie «unerwartete Kosten verursachende Kids». Und in den USA nennt man sie Boomerangs, weil sie immer wieder nach Hause zurückkehren. Der 35jährige Andrea ist ein typischer Bamboccione. Er hat eine gute Stelle bei der italienischen Nationalbank. Aber er ist nie aus der Wohnung der Eltern im Zentrum von Rom ausgezogen. Zudem bezahlt er keinen Euro Miete, kann also dank Hotel Mama sein Geld anderweitig ausgeben. Auch in der Familie Reyes aus Brampton Ontario leben die Kinder bei den Eltern, mindestens bis zu ihrer Hochzeit. Der 29jährige Caleb steht kurz davor: In sechs Monaten wird er Michelle heiraten, die ebenfalls noch zu Hause wohnt. Anders die 25jährige Ashlee aus Vancouver. Sie kommt mit 25 Jahren zurück ins Haus ihrer Mutter, nachdem sie jahrelang eigenständig war. Sie zog aus, als sie an die Universität ging, reiste nach ihrem Abschluss herum und arbeitete im Ausland. Sie kehrt ins Elternhaus zurück, um in der Nähe ihres 95jährigen Grossvaters zu sein. Die Lermittes aus Richmond wollen allerdings nicht ewig mit ihren Kindern zusammenleben. Mit 25 müssen diese draussen sein. Für Patrick tickt die Uhr: Er hat noch keine Stelle und feiert in sechs Monaten seinen 25. Geburtstag. Wissenschaftler und Psychologen streiten sich darüber, ob es gut oder schädlich ist, wenn die Kinder immer später flügge werden. Und sie fragen sich, wer schuld daran ist. Tatsache bleibt: Der Trend verstärkt sich. Und es ist fraglich, ob das Nesthocker-Phänomen abflaut, wenn die Wirtschaft wieder anzieht. Vielleicht dauert es ja heute einfach länger, bis man erwachsen wird.

 
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